Es gibt den schönen Begriff Headhunter, teilweise nennen sie sich auch Rekruter. Sicherlich gibt es noch andere Begriffe, diese sind aber teilweise nicht sonderlich nett.
Für einen Techniker wie mich sind sie Fluch und Segen zugleich. Man kann oft nicht ohne an interessante Stellen kommen - wo man kein Vitamin B hat. Aber um ehrlich zu sein, hat erst ein Headhunter mit mir Geld verdient. Also verschwenden sie meist meine Zeit. Den das was von Bewerbern gefordert wird, sich mit dem Unternehmen auseinander zu setzen gilt scheinbar nicht für diesen Menschenschlag.

Wenn jemand auf mich zu kommt und meint mir eine Stelle vorschlagen zu müssen - womöglich noch unter dem Mantel der Verschwiegenheit - also ohne den Namen des Unternehmens zu nennen für das er sucht, bekommt er mitlweile einen Text wie den folgenden per Copy & Paste geliefert.

Hallo Headhunter,

prinzipiell habe ich immer interesse daran von neuen Herausforderungen zu hören - aber du solltest etwas wissen. Erst wenn du mit deiner bestimmt sehr interessanten Stelle sagen kannst 'Ja das passt' dann darfst du gerne weiteren Kontakt mit mir aufnehmen.

Ich suche keine Stelle für die ich oder meine Familie ihre Heimat verlassen muss. Bedeutet, wenn diese Stelle nicht in einer Stunde Weg um Bochum herum liegt würde für mich nur ein Remote Arbeitsplatz mit gelegentlichen Besuchen im Büro infrage kommen. Ein Umzug würde dafür sorgen das sich meine Frau ebenfalls eine neue unbefristete Stelle als Kinderkrankenschwester suchen muss und mein Sohn eine gute Schule in der nähe braucht. Außerdem müssten wir eine bezahlbare bleibe finden. Diese sollte natürlich auch zu unseren Bedürfnissen passen. Eine Fernbeziehung bzw. ein nur am Wochenende zuhause Papa ist für mich eigentlich kaum vorstellbar. Auch ein Umzug müsste so lukrativ sein das z.B. meine Frau nicht mehr arbeiten muss.

Sollte ich pendeln müssen, würde ich es begrüßen wenn das Unternehmen sich zumindest daran beteiligt. Auch muss es flexibel genug sein das ich bei Krankheit eines Familienmitgliedes auch von zuhause aus arbeiten kann.

Ich habe nichts dagegen Bereitschaft zu übernehmen - on Duty sein wie es so schön heißt, aber das sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden. Hier sollte es faire Regeln zu geben und es muss sich auch bemerkbar machen.

Des weiteren gehe ich gerne auf Konferenzen - sowohl als Teilnehmer als auch als Speaker, würde das gerne aber noch intensivieren. Natürlich würde ich das auch im Namen des Unternehmens machen - wenn ich mir dafür nicht Urlaub nehmen muss und die Unkosten mitgetragen werden.

Lieber Headhunter, wenn das alles abgenickt wird, dann freue ich mch über weitere Details.

Mit freundlichen Grüßen Jan

Die reaktionen darauf sind sehr Unterschiedlich und reichen vom Schweigen bis zu dem unbedingten wunsch doch einmal mit mir zu reden. Einige schreiben mir, das ihnen das noch nie jemand so offen gesagt hat - wobei ich mich frage, warum eigentlich nicht?

Ein Unternehmen wünscht das der Angestellte sich vollständig dem Unternehmen hergibt, sein aller bestes abliefert, aber das alles zu seinen regeln. Warum nicht von anfang an klarstellen was die eigenen regeln sind und dann ein Unternehmen finden das auch dazu passt?

Sicherlich ist es komfortabel so zu aggieren, befindet man sich in unbefristeter Festanstellung. Auch ich habe kompromisse gemacht als ich unbedingt schnell eine neue Stelle brauchte. Aber ich glaube das man als Angestellter auch mal den Mut haben darf seine wünsche und ansprüche zu formulieren.